Ein
Botnet oder Botnetz ist eine Gruppe von Software-Bots. Die
Bots laufen auf vernetzten Rechnern, deren Netzwerkanbindung
sowie lokale Ressourcen und Daten ihnen zur Verfügung
stehen. Betreiber illegaler Botnetze installieren die Bots
ohne Wissen der Inhaber auf Computern und nutzen sie für
ihre Zwecke. Die meisten Bots können von einem
Botnetz-Operator (auch Botmaster) über einen
Kommunikationskanal überwacht werden und Befehle empfangen.
Dieser wird in der Fachsprache zutreffend als
Command-and-Control-Server bezeichnet; Kurzform: C&C.
Anwendungen
Ein Bot stellt dem Betreiber
eines Botnetzes je nach Funktionsumfang verschiedene Dienste
zur Verfügung. Derweil mehren sich multifunktional
einsetzbare Botnets. Der Botmaster kann so flexibel auf
andere Einsatzmöglichkeiten umschwenken. Grundsätzlich
lassen sich die Verwendungsmöglichkeiten eines Bot-Netzwerks
wie folgt unterscheiden: Angriffe zum Nachteil eines
externen Opfersystems und Botnetz-interne Angriffe. Zum
Erstbenannten zählen unter anderem DDoS-Attacken und
DRDoS-Attacken. Da der Botnetz-Master in aller Regel auf die
sensiblen Daten seiner Bot-infizierten Systeme zugreifen
kann, offerieren sich viele der bekannten Phänomene der
Internetkriminalität wie Phishing, Sniffer oder Ransomware
und auch der Versand von Spam-Mails. Hieraus wird bereits
ersichtlich, dass Bot-Netzwerke eine hervorragende
Infrastruktur für die herkömmliche Internetkriminalität
liefern. Dies begründet auch ihr rasantes Wachstum.
- Zugriff auf lokal
gespeicherte Daten
Die privaten Daten der mit Bots infizierten Rechnern
(Zombies) sind lukrativ. Die meisten Bots bieten
Möglichkeiten, auf lokal gespeicherte Zugangsdaten
verschiedener Anwendungen (beispielsweise IE oder ICQ)
zuzugreifen. Auf den Diebstahl von Daten spezialisierte
Bots verfügen auch über Funktionen, um Daten aus
Webformularen zu lesen und können dadurch Informationen
ausspionieren, die in SSL-gesicherten Webseiten
eingegeben wurden, darunter beispielsweise auch
Passwörter oder Kreditkartennummern. Viele IRC-Bots
können den Netzwerkverkehr des Rechners loggen.
- Proxy
Proxies bieten die Möglichkeit, eine Verbindung zu einem
dritten Computer über den Zombie herzustellen und können
damit die eigentliche Ursprungs-Adresse verbergen. Der
so geschaffene Zwischenhost kann dann für weiterer
Angriffe auf andere Rechner genutzt werden. Aus Sicht
des Ziel-Computers kommt der Angriff vom Proxy-Host.
- Spam-Versand
Einige Bots sind auf das Versenden von großen Mengen an
E-Mail programmiert. Sie verfügen über Funktionen zum
Laden von Mail-Templates, Senden von E-Mails an
generierte oder von einem Server abgefragte Adressen und
Abfragen von Listings der Zombie-IP in DNSBLs.
- Ausführen von
DDoS-Attacken
Viele Bots verfügen über die Möglichkeit, DoS-Attacken
auszuführen. Meistens stehen dabei verschiedene Methoden
wie SYN-Flood oder HTTP-Request-Flood zur Verfügung.
Werden diese Attacken von allen Bots im Netz mit der
gesamten, ihnen zur Verfügung stehenden,
Netzwerk-Bandbreite gleichzeitig ausgeführt, so werden
auf dem Ziel-Rechner der Attacke Netzwerk-Dienste außer
Betrieb gesetzt oder die gesamte Bandbreite seiner
Anbindung für Daten von den Zombies benötigt.
- Nachladen und
Ausführen weiterer Programme beziehungsweise
Aktualisierung des Bots
- Einsatz als
Ransomware
- Verbreitung von
Phishing-Mails
- Einsatz von Sniffern
und Password-Grabbern
- Speichermedium für
die Verbreitung illegalen Contents
- und vieles weitere
Administration
Die weitaus meisten Bots
verfügen über eine Funktionalität, mit der der Betreiber
eines Botnetzes mit ihnen kommunizieren kann. Dies umfasst
den Abruf von Daten von einem Bot sowie das Verteilen von
neuen Anweisungen. Bei der Kommunikation über einen
IRC-Channel stellen die Bots eine Client-Verbindung zu einem
IRC-Server her. Befehle werden ohne Verzögerung von den Bots
ausgeführt und der Betreiber bekommt sofort eine Rückmeldung
der Bots. Im Vergleich dazu erfolgt die Kommunikation über
HTTP mit einer Webanwendung ohne persistente Verbindung, die
Bots übertragen Daten und fragen nach neuen Befehlen in
Intervallen. HTTP-Botnetze erfreuen sich zunehmender
Beliebtheit, da das Aufsetzen der
Administrations-Infrastruktur einfacher ist im Vergleich zu
einem IRC-Server und die Kommunikation der Bots mit dieser
weniger auffällt. Weitere genutzte Kommunikationsmethoden
sind Peer-to-Peer-Protokolle sowie durch die Programmierer
selbst entwickelte Netzwerkprotokolle.
Die Top-10-Länder, in
denen 2008 Botnet Command-and-Control-Server identifiziert
werden konnten, waren:
- Vereinigte Staaten:
16774
- Deutschland: 3909
- China: 2998
- Russland: 2960
- Kanada: 2388
- Südkorea: 1151
- UK:1703
- Frankreich: 985
- Malaysia: 857
- Japan: 788.
Verbreitung der Bots (Spreading)
Das Erweitern eines Botnetzes
erfolgt durch Installieren der Bots auf einem noch nicht
angebundenen Computer. Um möglichst viele Ressourcen zur
Verfügung zu haben, versuchen die Betreiber, eine hohe
Anzahl von Rechnern unter ihre Kontrolle zu bekommen. Die
Installation erfolgt meistens für den Anwender unsichtbar.
Während des Betriebes eines Botnetzes kommen immer wieder
neue Rechner hinzu und es scheiden solche aus, bei denen der
Bot entfernt wurde.
Die Verbreitung findet auf
folgenden Wegen statt:
- Malware
Das Installations-Programm des Bots wird per E-Mail an
viele Adressen geschickt und der Empfänger wird dazu
aufgefordert, das Programm auf seinem Computer
auszuführen. Teilweise wird auch nur ein Link auf eine
infizierte Webseite versandt.
- Downloads
Der Bot wird als Trojaner gebündelt mit einer
Applikation, die der Anwender freiwillig herunterlädt
und auf seinem Computer ausführt. Häufig handelt es sich
dabei um illegale Programme wie Cracks, Warez oder
andere fragwürdige Software. Immer häufiger werden
jedoch auch legale Angebot gehackt und mit einem
Trojaner infiziert.
- Exploits
Die Installation des Bots erfolgt unter Ausnutzung eines
Software-Fehlers im Betriebssystem, im Browser oder in
einer Anwendung auf dem Computer. Bots, die über
Exploits installiert werden, verfügen häufig über eine
Funktion zur automatischen Weiterverbreitung
(Computerwurm). Manche Exploits benötigen die
Interaktion eines Anwenders, wie z. B. das Klicken auf
einen präparierten Link um den Schadcode auszuführen.
Andere Exploits werden beim Aufruf der Seite automatisch
ausgelöst (Drive-By-Infection). Es kommt vor, dass
populäre Websites gecrackt und mit Schadcode versehen
werden, oder dass der Exploit über ein eingeblendetes
Werbebanner von einem anderen Server geladen wird.
- Manuelle Installation
Der Bot wird nach einem Einbruch in einen Computer
manuell auf diesem installiert. Dies kommt vor allen bei
Servern zum Einsatz. Durch deren hohe Verfügbarkeit und
die meist gute Netz-Anbindung lohnt es sich hier
besonders gezielt nach Schwächen zu suchen.
Laut einer Studie des
Antivirus-Herstellers Kaspersky Lab ist derzeit jeder zehnte
PC Teil eines Botnets. Damit sind sie eine der größten
illegalen Einnahmequellen im Internet.
Bekannte Botnetze
| Bekannt seit |
Name |
Geschätzte Botzahl |
Anzahl der Spam-Mails |
Weitere Namen |
|
Oktober 2008 |
Conficker |
9.000.000 |
? |
DownUp, DownAndUp, DownAdUp, Kido |
|
? |
Kraken |
495.000 |
9
Milliarden/Tag |
Kracken |
|
31. März 2007 |
Srizbi |
450.000[6] |
60
Milliarden/Tag |
Cbeplay, Exchanger |
|
? |
Bobax |
185.000 |
9
Milliarden/Tag |
Bobic, Oderoor, Cotmonger, Hacktool.Spammer,
Kraken |
|
? |
Rustock |
150.000 |
30
Milliarden/Tag |
RKRustok, Costrat |
|
? |
Cutwail |
125.000 |
16
Milliarden/Tag |
Pandex, Mutant (siehe auch: Wigon, Pushdo) |
|
Januar 2007 |
Storm |
85.000 (nur 35.000 versenden Mails) |
3
Milliarden/Tag |
Nuwar, Peacomm, Zhelatin |
|
? |
Grum |
50.000 |
2
Milliarden/Tag |
Tedroo |
|
? |
Onewordsub |
40.000 |
? |
? |
|
? |
Mega-D |
35.000 |
10
Milliarden/Tag |
Ozdok |
|
? |
Nucrypt |
20.000 |
5
Milliarden/Tag |
Loosky, Locksky |
|
? |
Wopla |
20.000 |
600
Millionen/Tag |
Pokier, Slogger |
|
? |
Spamthru |
12.000 |
350
Millionen/Tag |
Spam-DComServ, Covesmer, Xmiler |
Das bislang größte, im April
2009 entdeckte Botnetz soll von einer kriminellen Bande
betrieben werden, die nur aus sechs Personen besteht. 1,9
Millionen PCs sollen dem Sicherheitsunternehmen Finjan
zufolge infiziert sein, darunter auch solche in Unternehmen,
Behörden und öffentlichen Einrichtungen. Auf das Botnetz
will Finjan durch einen in der Ukraine lokalisierten Command
& Control-Server gestoßen sein, bei dem der Zugriff auf
einige Verzeichnisse möglich war, da er unzureichend
gesichert gewesen sei. Die gekaperten Windows-PCs sollen auf
77 Länder verteilt sein; rund die Hälfte soll in den USA und
im Vereinigten Königreich stehen. Lediglich 4 Prozent sind
in Deutschland in Betrieb, hieß es.
Einer Mitte September 2009
veröffentlichten Analyse von Trend Micro zufolge haben
wenige Bot-Herder (= Botnetz-Betreiber) insgesamt mehr
infizierte Rechner unter Kontrolle als bislang angenommen.
Den Cyber-Kriminellen stehe damit mehr Rechenleistung zur
Verfügung als allen Supercomputern dieser Welt zusammen.
Auch ständig aktualisierte Virenscanner böten gegen
bestimmte Botnetze keineswegs ausreichenden Schutz mehr
Käufliche Nutzung von Botnetzen
In vielen
Foren wird offen für die Umsetzung von Attacken
geworben. Die Preise für 24-Stunden-Angriffe schwanken
zwischen 50 und einigen Tausend Dollar
Schattenwirtschaft Botnetze – ein Millionengeschäft für
Cyberkriminelle Viruslist.com vom 22.07.2009
Weblinks
Multimedia
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